Die deutsche Wirtschaft bleibt weiterhin in einer kritischen Lage. Das Ifo-Institut prognostiziert für 2025 lediglich ein minimales Wachstum. Clemens Fuest, der Leiter des Ifo-Instituts, betont, dass eine Erhöhung der Arbeitsstunden entscheidend für eine positive Wende sei.
Fuest erklärte bei der Präsentation der Frühjahrsprognose, dass Deutschland ärmer geworden sei. Der Rückzug der USA zwingt das Land dazu, verstärkt in die Verteidigung zu investieren, was andere wichtige Bereiche finanziell belastet. Zudem führe der steigende Protektionismus zu einem Rückgang des Wohlstands.
Deutschland steht nun vor einer Entscheidung: Entweder die Lebenshaltungskosten reduzieren oder die Arbeitszeit erhöhen. Fuest merkte an, dass der Begriff Freizeit nur im Kontext eines steigenden Wohlstands Sinn mache. Er verwies darauf, dass Deutschland in Bezug auf die Arbeitszeit im internationalen Vergleich schlecht abschneidet. Laut einer OECD-Studie arbeitet hierzulande jeder Beschäftigte durchschnittlich etwa 1300 Stunden pro Jahr. Zum Vergleich: In Frankreich und Großbritannien sind es etwa 1500 Stunden, während Südkorea sogar 1800 Stunden erreicht.
Fuest forderte eine Rückkehr zu Vollarbeit und eine Beendigung des Trends zur Teilzeitarbeit. Um dies zu ermöglichen, seien Verbesserungen in der Kinderbetreuung und eine Senkung der Steuerlast erforderlich, damit sich Arbeit wieder lohnt.
Die Experten des Ifo-Instituts zeigen sich pessimistisch, da sie ihre Wachstumsprognose auf 0,2 Prozent gesenkt haben. Zuvor hatten die Wirtschaftsforscher im Winter noch mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet. Für 2026 wird ein leichtes Wachstum von 0,8 Prozent erwartet, basierend auf dem inflationsbereinigten Bruttoinlandsprodukt.
Der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser, stellte fest, dass die deutsche Wirtschaft stagnierend sei. Auch wenn die Kaufkraft ansteige, sei die Konsumfreude der Verbraucher zurückhaltend, und die Unternehmen zeigten sich bei Investitionen ebenfalls vorsichtig. Besonders die Industrie kämpfe mit einer schwachen Nachfrage und steigendem internationalen Wettbewerbsdruck.
Die vorliegende Prognose berücksichtigt nicht die milliardenschweren Ausgabenpläne der möglicherweise künftigen Regierung, so Wollmershäuser. Diese Pläne sind noch nicht offiziell beschlossen, und ihre genaue Ausgestaltung ist unklar. Bei erfolgreicher Umsetzung könnte das Wachstum jedoch über den aktuellen Prognosen liegen.
Fuest wies darauf hin, dass das Ansammeln von Schulden allein nicht ausreiche, um die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln. Schulden zu machen sei einfach, aber strukturelle Reformen seien entscheidend. Ohne die Erweiterung der Produktionskapazitäten würden die Schulden entweder zu einer höheren Inflation führen oder die Projekte wären nicht realisierbar.